Short Story Jam Session

In der Musik gibt es eine Form des Darstellens, die sich “Jam Session” nennt. In einer Jam Session spielen die Musiker nach keinem vorgegebenen Plan. Sie improvisieren ihr Stück live auf der Bühne. Ich würde gern so eine Jam Session für Short Stories hier live im Blog mit den Lesern gestalten wollen. :)

Die Spielregeln: Ich gebe gleich einen Titel der Story vor und den einleitenden Satz. Jeder der Lust hat, steigt in die Geschichte ein und schreibt ein paar Sätze in einem Kommentar zusammen. Einzige Bedingung ist, dass die Geschichte eine Kurzgeschichte ist (nicht länger als 50 Sätze)! Anschließend kann gern eine neue Kurzgeschichte gestartet werden, indem wieder ein Titel formuliert wird.

Auf die Plätze. Fertig. Los!

Titel der Short Story: Die drei Küken vor dem Backstein

Der sehr alte Backstein freute sich über den morgentlichen Sonnenstrahl, der seine obere rechte Ecke erreichte.

Anregungen aus dem Impro-Theater

Gestern war ich mit ein paar Freunden beim Improvisationstheater (auch Impro-Theater) “Tapetenwechsel” in Magdeburg. Im Impro-Theater spielen die Schauspieler Stücke dessen Drehbuch noch nicht geschrieben wurde. Jede Geschichte entwickeln die Schauspieler also live mit ihren Kollegen und mit ihrem Publikum.

Das beeindruckende für mich ist, dass im Sekundentakt dort Geschichten spontan entwickelt, geändert und dramatisiert auf die Bühne gebracht werden. … und das sehr gut! Meiner Meinung nach geben die Impro-Theater Spiele einen guten Rahmen und können für die Ideenentwicklung von Kurzgeschichten sehr interessant sein.

Hier eines der Spiele von gestern Abend als Beispiel:

  • Was könnte der Titel eines Stückes sein?
  • Ein Titel wird aus dem Publikum geholt.
  • Schauspieler gehen nun auf die Bühne und spielen eine Szene.

Die gestern Abend entstandene Geschichte war folgende …

Titel: Die drei am Südpol

Drei russische Brüder befanden sich urplötzlich mitten im Südpol. Fragend und bibbernd schauten sie sich an. Dimitri, der älteste unter den Brüdern, sagte mit gebrochenem Akzent: “Ey, wir brauchen Bewegung sonst erfrieren wir hier noch.” Im gleichen Moment machte er seinen Hosenstall auf. Fragend schauten ihn seine beiden Brüder an und Dieter fragte nun Dimitri: “Was zur Hölle soll das werden?” Dimitri daraufhin: “Na, ich pinkle uns ein Loch in die Eisdecke, damit wir Eisangeln können.” Einig nickten alle Brüder.

Nun bahnten sich alle drei Brüder mit geballter Pinkelkraft den Weg durch die massiven Eisschichten. Nach einer Weile ist es ihnen gelungen: Wasser! Der jüngste Bruder holte aus seinem Rucksack eine Teleskop-Angel und gab sie Dimitri. Kaum nahm Dimitri die Angel in die Hand, wurde er von einem Ruck in das Loch der Eisdecke gezogen. Egon ergriff blitzschnell das Ende der Angel. Aber der Ruck zog Dimitri schon in das eiskalte Wasser. Ihr Bruder hielt ein Stück der Angel in den Händen, denn die Schnur wickelte sich in einem enormen Tempo ab. Die beiden auf der Eisschicht zurückgebliebenen Brüder Dieter und Egon zogen mit all ihren Kräften an der Angel. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben sie es geschafft. Sie zogen ihren klitschnassen, eiskalten und noch völlig benommenen Bruder wieder auf das Eis zurück.

Dimitri öffnete langsam seine Augen. Er schaute seine Brüder an und sagte: “Es ist unglaublich. Das ist eine andere Welt dort unten. Frauen mit großen Brüsten und Flossen ab der Hüfte. Sie sind so schön, dass es dir den Atem verschlägt. Sie spielen mit sprechenden Krabben und Fischen. Sie singen alle und tanzen. Alle sind so eine schöne große Familie. Egon, Dieter, so wie wir uns das immer erträumt hatten. Lasst uns gemeinsam runtergehen und diese Welt genießen.” Seine zwei Brüder kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie stimmen zu und springen dann gemeinsam in das Eisloch.

Die Seele einer Geschichte

Was ist die Seele einer Geschichte? Was unterscheidet Geschichten zu denen wir uns hingezogen fühlen zu anderen? Gibt es ein Muster?

Ich beobachte bei anderen und auch bei mir selbst, dass es Geschichten gibt, mit denen ich mich absolut verbunden fühle und mit anderen aber nicht. Warum finden Freunde eine Geschichte nicht so spannend, wie ich selbst? Liegt das am Geschmack, an Erfahrungen oder Erlebnissen? Oder hat eine Geschichte eine Seele mit der ich mich verbinde?

Persönlich denke ich, bringt eine Geschichte in uns etwas zum Erklingen: einen Urwunsch, eine Ursehnsucht, ein Urbedürfnis, … Manchmal sind sie uns bewusst und manchmal nicht. In jedem Fall beschreiben die “Urs” Dinge, die wir nicht haben, die wir nicht können oder die uns aus irgendwelchen Gründen verwehrt werden. Die Geschichte allerdings zeigt uns einen weg, wie wir unsere Urs befriedigen können. Sie geben uns Hoffnung, auf ein besseres Dasein.

Genau das ist natürlich bei jedem Menschen anders. Daher passiert es auch, das eine Geschichte für einen Menschen wundervoll ist, für einen anderen Menschen aber überhaupt nicht spannend ist.

Eine Geschichte mit der wir den Leser helfen vielleicht sogar Hoffnung geben können, spricht also zwei Dinge an:

  1. Einen Urwunsch
  2. Einen Weg diesen Urwunsch in Erfüllung gehen zu lassen

Unter einem Urwunsch stelle ich mir beispielsweise vor:

  • eine Angst, vor anderen Menschen zu sprechen
  • eine Angst, zu versagen
  • eine Angst, allein zu sein
  • einen Traum, eines Tages die Galaxien bereisen zu können

Geschichten, die mir besonders gut gefallen, sprechen diese Urs an.

Setting-Ideen fuer eine Kurzgeschichte

Wie findet man Ideen für das Setting einer Kurzgeschichte?

Aber zunächst, welche Fragen muss ein Setting denn überhaupt beantworten:

  • In welchem Fiktionsbereich bewegen wir uns realistisch, semi oder nicht-realistisch?
  • Findet unsere Geschichte in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft statt?
  • Wer sind unsere Charaktere Menschen, Lebewesen und/oder Objekte?

Ideenfindungsansatz für das Finden eines Settings für eine Kurzgeschichte

Sammeln von möglichen Orten:

1. Welche Orte auf der Welt kennt ihr?

  • Himalaya, Insel, Australien, New York, Nordpol, Hinterhof, Vulkan, Dach, Baumkrone, im Himmel, …

2. Welche Orte aus der Vergangenheit kennt ihr?

  • Höhlen, Pyramiden, Sklavenhandelsplatz, Thron, Folterkammer, Brunnen, …

3. Welche Orte aus der Zukunft kennt ihr?

  • Raumschiff, fremder Planet, Siedlung, Raumstation, Wurmloch, …

 

Sammeln möglicher Charaktere:

1. Welche Emotionen kennt ihr?

  • Zorn, Liebe, Frustration, sich aufgeben, Verzweifelung, fies, hinterhältig, fürsorglich, unsicher, gebrochenes Herz, …

2. Wer oder was empfindet diese Emotionen in [Orte: Himalaya, Höhlen, Raumschiff, …]?

  • ein frustrierter Yeti im Himalaya,
  • eine verliebte Maus in einer urzeitlichen Höhle,
  • ein unsicherer Pinguin am Nordpol,
  • die zornige Baumkrone,
  • der unsichere Vulkan,
  • ein Wolkenkratzer mit gebrochenem Herzen,
  • ein verzweifelter Sessel im Regierungsgebäude,
  • der fürsorgliche fremde Planet,

Nun beantworten wir noch die offen gebliebenen Setting-Fragen:

  • In welchem Fiktionsbereich bewegen wir uns realistisch, semi oder nicht-realistisch?
  • Findet unsere Geschichte in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft statt?
  • Wer sind unsere Charaktere Menschen, Lebewesen und/oder Objekte?

… und schon haben wir mögliche Settings für unsere Kurzgeschichte. 😉

Sprache: Ein tolles Werkzeug!

Welche Faktoren tragen eigentlich dazu bei, dass eine Kurzgeschichte spannend, fesselnd, ungewöhnlich ist? Sind es allein die Charaktere und die Story die dazu bewegen, weiterzulesen? Wie gelang es einem Edgar Allan Poe, seinen Lesern sprichwörtlich das Blut in den Adern gefrieren zu lassen?

Wenn uns der Autor auf eine Reise in seine Gedankenwelt mitnimmt geschieht dies unter Zuhilfenahme vieler (sprachlicher) Kniffe, die dem Leser oft nicht einmal auffallen. Das macht es gerade so interessant.

Als Sprachwissenschaftlerin interessiert mich vor allem, welche Rolle eigentlich die sprachliche “Verpackung” einer Geschichte spielt: Wie kann ich beim Schreiben Einfluss darauf nehmen, was der Leser empfindet? Wie mache ich es ihm leichter, meiner Handlung zu folgen?

Darauf möchte ich mich in nächster Zeit mal ein bisschen stürzen und herausfinden: Welche Möglichkeiten bietet mir die Sprache und wie kann ich sie effektiv einsetzen?

Die vier Disfunktionen eines Helden

Bei der Frage, was macht eine Kurzgeschichte mitreißend und bewegend, stieß ich auf ein Buch von Hammann “Die Heldenreise im Film”.

In seinem Buch beschreibt er, dass jede “gute” Geschichte einen Helden in seiner Entwicklung zeigt. Dabei kann er Entwicklungen aufgrund vier Disfunktionen durchleben:

1. Seele
2. Herz
3. Körper
4. Geist

In vielen Klassikern findet man diese vier Disfunktionen wieder. Sogar in der Kurzgeschichte “Partly Cloudy”. Unser Held ist hier die Wolke. Sie ist sich unsicher und hat daher auch Angst ihren besten Freund zu verlieren (Disfunktion im Herzen). Am Ende der Geschichte stellt sich heraus, dass sie das gar nicht zu sein braucht.

Für unsere Kurzgeschichten-Schreib-Anleitung lernen wir daraus:

* Finde einen Helden
* Gib diesem Helden einen Makel (vier Disfunktionen)
* Zeige dem Leser am Anfang diesen Makel
* Löse diesen Makel im Verlauf der Geschichte auf

Es war einmal …

Wie soll man beginnen als Kurzgeschichten Schreiberling? Ich war überrascht, wie voll das Netz mit Tipps und Tricks für das Geschichten schreiben ist. Dort stieß ich beispielsweise auf Narrensichere Handlungsstränge für Kurzgeschichten. Sie empfehlen die ABDCE Methode.

Action: Ziel ist es den Leser von Anfang an zu fesseln und in ihm den Wunsch wecken mehr zu lesen.

Background: Der Leser sollte in Hintergründe der Geschichte eingeführt werden. Wer spielt welche Rolle? Warum?

Development: Die Geschichte sollte sich weiterentwickeln.

Climax or Conflict: Der Grund für die Geschichte ist der Wendepunkt der Charaktere. Der Leser fiebert an dieser Stelle mit.

Ending: Schließe die Geschichte ab und bringe die Handlung zuende.

Nette Liste. Klingt logisch soweit, aber ich fühle mich noch nicht viel schlauer.

  • Was heißt “Action” konkret?
  • Was ist denn eine gute Entwicklung der Geschichte?
  • Wie erreiche ich den Klimax?
  • Was macht ein gutes Ende aus?

Was sind Eure Erfahrungen: Wie beginnt Ihr eine Kurzgeschichte zu schreiben?

Warum?

Seit langem interessiere ich mich für Kurzgeschichten. Aber wie entstehen besonders rührende, bewegende und mitreißende Geschichten?

Pixar und Walt Disney schaffen es innerhalb von fünf Minuten mich abzuholen, mir eine Geschichte zu erzählen und mich zu begeistern. In fünf Minuten!

Den Grundlegenden Regeln wie man solche mitreißenden Geschichten schreibt und was wichtig dabei ist, möchte ich mit diesem Blog auf die Spur kommen. Mich interessieren insbesondere:

  • Was sind gute / mitreßende / bewegende Kurzgeschichten überhaupt?
  • Was ist das grundlegende Muster hinter einer “guten” Kurzgeschichte?
  • Wie findet man spannende Settings für Kurzgeschichten?
  • Wie findet man spannende Entwicklungen für Charaktere in Kurzgeschichten?

Im Idealfall liefert dieser Blog nach einiger Zeit eine “How to” Anleitung für das Schreiben mitreißender Kurzgeschichten.

Bis dahin dient der Blog als Austauschplattform. Gemeinsam mit Freunden, dem Internet und diesem Blog möchte ich eine “How to create a short story”-Anleitung schreiben können.

Ich freue mich drauf! :-)